Digitale Living Library

Bearbeitet: 12. Feb. 2026

Die Website der Living Library ist das digitale Gegenstück zum physischen Archiv. Als Open-Source-Wissensplattform konzipiert, unterstützt sie Studierende und lokale Kunstschaffende dabei, die Region um Karlsruhe zu erkunden, lokal verfügbare Materialien zu identifizieren und nachhaltige Praktiken in ihre Gestaltung zu integrieren. Eng mit dem Lehrprogramm verknüpft, ergänzt die Website die physische Sample-Sammlung um eine eigene Dimension der Zugänglichkeit und fortlaufenden Transformation. Inspiriert von der Metapher des Gartens folgt die Gestaltung der Website der Idee, dass Online-Archive wie ein lebendes Ökosystem wachsen, sich verändern und vergehen können.

Eine Website als lebendes System

Von Anfang an wurde die Website als »work-in-progress« konzipiert. Sie ging in einem frühen Stadium mit nur einer Handvoll Einträgen online und wuchs im Laufe der Zeit langsam, was das Wachstum des kollektiven Wissens widerspiegelte, während das Team weiter dazu lernte. Aufgrund dieser ständigen Veränderungen können Besuchende auf neue Informationen stoßen oder feststellen, dass älteres Material entfernt oder ersetzt wurde. Anstelle eines statischen Archivs fungiert sie als lebendes Archiv, das durch neues Wissen und sich verändernde Perspektiven ständig gepflegt und umgestaltet wird.

Das Hauptziel der Website ist es, Studierende und Besuchende dabei zu unterstützen, die lokale Bioregion einzubinden. Die Idee ist dabei, den Nutzenden zu helfen, »online« zu lernen und dieses Wissen schließlich »offline« anzuwenden. Dieser Fokus auf physische Erkundung, sei es draußen oder in der Werkstatt, dient nicht nur dazu, die online verbrachte Zeit zu minimieren: Er fördert auch die soziale Nachhaltigkeit, indem er Lernende dazu anregt, sich im Freien aufzuhalten, lokale Expert:innen zu treffen, Beziehungen zu umliegenden Unternehmen aufzubauen und sich in Gemeinschaften zu integrieren.

Nachhaltigkeit war das Leitmotiv jeder Gestaltung. Gemäß den Prinzipien des Permacomputing wurde die Website so gestaltet, dass Energieverbrauch und Umweltbelastung minimiert werden. Die Benutzeroberfläche ist bewusst leicht gehalten, mit begrenztem Einsatz von Bildern und ohne Videos. Sogar die Farbwahl wurde im Laufe der Zeit angepasst, um Energie zu sparen. Dieser Ansatz betrachtet das digitale Design als Teil desselben ökologischen Engagements, das auch die physische Bibliothek prägt. Transparenz spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Auf einer Extraseite wurde der gesamte Energie-Fußabdruck der Website berechnet und erklärt, wie dieser Wert ermittelt wurde. Anstatt bereits anderweitig verfügbare Informationen zu wiederholen, verlinkt das »Archiv der Archive« auf bestehende Datenbanken und Plattformen. Dieser Ansatz reduziert langfristig die Größe und den Wartungsaufwand der Website und bettet sie gleichzeitig in ein größeres Ökosystem regenerativen Wissens ein. Die Website kommuniziert auch kleinere Dinge wie die Dateigrößen der verwendeten Bilder und erinnert die Besuchenden daran, dass die digitale Infrastruktur ebenso wie die physische Bibliothek Ressourcen verbraucht.

Homepage

Die Homepage ist, wie der Rest der Website, bewusst minimalistisch gehalten, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Sie enthält keine Bilder oder andere Elemente, die das Laden großer Dateien erfordern. Obwohl sie ursprünglich je nach persönlicher Präferenz mit einem hellgrünen oder einem schwarzen Hintergrund gestartet wurde, wurde die Option mit grünem Hintergrund später entfernt, um jährlich einige Watt mehr einzusparen.

Karten

Das Herzstück der Website bildet eine Sammlung interaktiver regionaler Karten. Anstatt ein einziges starres System anzuwenden, ist jede Karte speziell auf das Material zugeschnitten, das sie dokumentiert. Eine Karte der Kleingärten in der Stadt liefert genaue Koordinaten und Namen, während eine Karte des Myzels in der Region weniger klar definierte Gebiete hervorhebt, in denen die unterirdischen Bedingungen geeignet für das Wachstum von Pilzen sind. Die Karten bleiben unvollendet und manchmal sogar absichtlich »leer«, um die Erkundung zu fördern und eine fortlaufende Überarbeitung statt einer Fertigstellung zu ermöglichen.

Das Lexikon

Begleitend zu den Karten gibt es das Lexikon, eine Sammlung von Schlüsselbegriffen und Konzepten, die das Projekt in einen breiteren Kontext stellen. Die erste Version wurde zu Beginn verfasst und anschließend fortlaufend überarbeitet, um veränderten Erkenntnissen Rechnung zu tragen. Die Definitionen von »lokal«, »nachhaltig« oder »biologisch abbaubar« verschoben sich, als das Team mit neuen Materialien experimentierte, und im Laufe des Prozesses kamen neue Definitionen hinzu. Das Lexikon war auch eng mit dem Lehrprogramm verbunden. Im Rahmen von Exkursionen, Workshops und Kolloquien wurden Informationen gesammelt, dokumentiert und anschließend veröffentlicht. Mit neuen Perspektiven von eingeladenen Gestaltenden und Expert:innen wurden bestehende Informationen auf der Website manchmal entfernt oder umgeschrieben.

Das Archive of archives

Wie bereits erwähnt, verlinkt das Archiv der Archive Besuchende zu anderen Materialdatenbanken, regionalen Initiativen und Forschungsplattformen. Dadurch wird nicht nur eine Duplizierung von Informationen vermieden, sondern die Website wird auch als Teil eines größeren, nicht so lokalen Ökosystems regenerativen Wissens positioniert, das auch nach dem Ende der Website unabhängig weiterwächst.

Persönliche Notiz

Wenn diese Zeilen in Zukunft gelesen werden, existiert die Living Library-Website möglicherweise nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Ob sie auf einem anderen Server gefunden oder auf einer alten Festplatte wiederentdeckt wurde, wir hoffen, dass sie wiederhergestellt werden kann. Sie sollte wie fruchtbarer Boden behandelt werden, etwas, das immer neues Wachstum, neue Definitionen und neues Wissen hervorbringen kann.

04:15 an der HfG Karlsruhe, 49°00'08.5"N 8°23'00.4"E