Das Lexikon bietet Leser:innen eine gemeinsame Grundlage für das Verständnis der in der Living Library am häufigsten verwendeten Begriffe. Es wurde erstellt, um eine gemeinsame Sprache zu fördern, die die laufenden Veränderungen im Bereich der Nachhaltigkeit und der bioregionalen Materialpraktiken widerspiegelt.
Da Kunst- und Gestaltungspraktiken immer umfassender werden, ist eine gemeinsame Sprache unerlässlich, um alle Beteiligten aufeinander abzustimmen. Sprache prägt die Art und Weise, wie Menschen die Welt wahrnehmen, wie sie miteinander umgehen und wie sie sich die Zukunft vorstellen und gestalten. Ohne ein gemeinsames Vokabular wird die Zusammenarbeit fragmentiert und der Wissensaustausch verliert an Klarheit und Tiefe.
Archiv
Im Altgriechischen war das Konzept eines Archivs (von »arkheion«, was »Wohnsitz des Herrschers« bedeutet) mit der Aufbewahrung von Aufzeichnungen über Herrscher und Regierungsbeamte verbunden. Dies impliziert ein Element des »Schutzes«: etwas so aufzubewahren, wie es ist, und es zu bewahren.
Biodesign
Biodesign ist ein interdisziplinäres Feld der Gestaltung, das biologische Prozesse mit Technologie, Design und Kunst verbindet. Es handelt sich um eine von der Natur inspirierte und geprägte Praxis, bei der auch natürliche Organismen zur Gestaltung von Produkten und zur Herstellung von Bauteilen verwendet werden.
Bio Design Lab
Das Labor an der HfG Karlsruhe, in dem Studierende Biomaterialien entwickeln und damit experimentieren können.
Ein kreativer und experimenteller Raum an der HfG Karlsruhe, in dem sich Studierende mit lebenden Systemen und Biomaterialien beschäftigen. Das Labor fördert interdisziplinäre Forschung und praktische Materialforschung mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.
Das Bio Design Lab wurde 2020 während Bruno Latours ZKM-Ausstellung »Critical Zones« gegründet und ist eine hybride und evolutive Umgebung, die sowohl im digitalen als auch im physischen Raum existiert. Das Labor wurde als Plattform für die Vernetzung und Zusammenarbeit mit lokalen Partner:innen und unter Nutzung lokaler Ressourcen konzipiert und dient der Präsentation, Vermittlung und Weitergabe von Wissen. Während Studierende und Expert:innen eingeladen werden, an Projekten im Bereich Biodesign zu arbeiten, können Besuchende die Produktion und Forschungsansätze des Labors erkunden und sich damit auseinandersetzen. Die Projekte des Labors konzentrieren sich auf die lokale Region, ihre Materialien und Möglichkeiten und zielen aktiv darauf ab, die Produktionsweisen in Karlsruhe und Süddeutschland neu zu ordnen und zu überdenken. Zur Auseinandersetzung mit diesen Themen und den damit verbundenen Materialien im digitalen wie physischen Raum werden lokale Fachleute und Besuchende gleichermaßen eingeladen.
Biologisch abbaubar
Bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, durch die Einwirkung von Mikroorganismen und anderen Zersetzern auf natürliche Weise abgebaut zu werden. Biologisch abbaubare Materialien kehren als Teil natürlicher Kreisläufe in die Erde zurück, hinterlassen keine giftigen Rückstände und tragen dazu bei, die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem zu verringern.
Biomaterial
Ein Material, das aus Rohstoffen gewonnen wird, die von lebenden Organismen produziert werden. Biomaterialien sind in der Regel erneuerbar, biologisch abbaubar und so konzipiert, dass sie während ihres gesamten Lebenszyklus nur minimale Auswirkungen auf das Ökosystem haben.
Bioregion
Eine Region, die eher durch geologische (z. B. Gebirgszüge) und ökologische Grenzen (z. B. Flüsse) als durch politische Grenzen definiert ist. Amerikanische Ökoaktivist:innen schlugen in den 1970er Jahren vor, diese Grenzen zu nutzen, um neue, sich selbst versorgende Gemeinschaften zu schaffen. Derzeit bezieht sich der Begriff auf eine kritische Form der Kartografie, die traditionelle kartografische Praktiken zugunsten eines ganzheitlicheren Ansatzes für Karten der natürlichen Umwelt in Frage stellt.
Boden
Der Boden ist die oberste, belebte Schicht der Erdoberfläche und besteht aus Mineralpartikeln, organischen Stoffen, Wasser und Luft. Sie dient als Medium für das Pflanzenwachstum, als Lebensraum für Organismen und spielt eine entscheidende Rolle im Nährstoffkreislauf und bei der Wasserfilterung.
Die oberste Schicht der Erdoberfläche besteht aus Mineralien, organischen Stoffen, Wasser und Luft. Sie unterstützt das Pflanzenwachstum, beherbergt unzählige Organismen und spielt eine Schlüsselrolle im Nährstoffkreislauf und bei der Wasserreinigung.
DIY-Materialbewegung
Die DIY-Materialbewegung ist ein Ansatz in den Bereichen Gestaltung, Kunst und Innovation, bei dem Menschen ihre eigenen Materialien entwickeln, produzieren und experimentell einsetzen – oft außerhalb traditioneller industrieller Prozesse. Dabei werden Materialien nicht als neutrale Ressourcen verstanden, sondern als aktive Bestandteile, die lokale ökologische Bedeutungen haben.
Garten
Ein Garten (vom mittelenglischen »gardin« für »umzäunter Raum«) ist ein Ort, an dem Menschen Pflanzen kultivieren und pflegen. Er ist kein statisch festgelegter Ort, sondern ein sich ständig veränderndes Ökosystem, das nicht »gespeichert« werden kann. Kultivieren bedeutet, sich allein oder gemeinsam mit anderen aktiv am Wachstum von Pflanzen zu beteiligen.
Kolloquium
Eine Art akademisches Seminar oder ein Vortrag, bei dem der Schwerpunkt auf der Diskussion zwischen Studierenden und externen Gästen liegt.
Kompost
Kompost ist zersetztes, organisches Material, das als natürlicher Dünger und Bodenverbesserer verwendet wird. Im Gegensatz zu synthetischen Düngemitteln nährt er Pflanzen indirekt, indem er Bodenmikroben wie Bakterien, Pilze sowie auch Würmer erhält. Dieser natürliche Recyclingprozess bereichert die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften der Erde.
Kompost ist organisch umgewandelte Substanz, die die Erde durch die Versorgung ihrer lebenden Gemeinschaften anreichert. Dieser biologische Prozess verbessert die Struktur der Erde, die Fruchtbarkeit und Biodiversität und bietet eine regenerative Alternative zur Erschöpfung durch synthetische Düngemittel.
Komposter
Ein Behälter oder Container, in dem organische Abfallstoffe durch den natürlichen Zersetzungsprozess, der durch Pilze, Würmer und Mikroorganismen unterstützt wird, zu nährstoffreichem Kompost zersetzt werden.
Ein Behälter oder Container, der die Zersetzung organischer Abfälle zu Kompost erleichtert. Pilze, Würmer und Mikroorganismen zersetzen das Material und verwandeln es in nährstoffreiche Erde.
Kompostierbar
Bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, unter kontrollierten Kompostierungsbedingungen – ausreichende Wärme, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Mikroorganismen – innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu CO₂, Wasser und nährstoffreicher Biomasse zu zerfallen, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Im Gegensatz zu »biologisch abbaubar« ist die Kompostierbarkeit an bestimmte Standards (z. B. Zerfallsrate, Restpartikelgröße und Toxizitätsgrenzen) und oft auch an eine Zertifizierung gebunden, um sicherzustellen, dass der entstehende Kompost für Erde und Pflanzen unbedenklich ist.
Lexikon
Eine Liste der im Projekt verwendeten Definitionen der am häufigsten verwendeten Begriffe in der Living Library.
Das Lexikon ist eine lebendige Sammlung von Begriffen, die in der Living Library verwendet werden und die geschaffen wurde, um eine gemeinsame Sprache rund um nachhaltige und bioregionale Materialpraktiken zu fördern. Es unterstützt eine klare Kommunikation über Disziplinen hinweg und spiegelt die sich entwickelnden Werte, Annahmen und Bedeutungen wider, die in den Wörtern enthalten sind. Wie die Wörter, die es benennt, wird auch das Lexikon im Laufe der Zeit weiter wachsen und sich anpassen.
Living Library
Die Living Library ist ein Archiv nachhaltiger Materialien, die für Kunst- und Gestaltungspraktiken verwendet werden können. Alle Materialien werden aus Bestandteilen hergestellt, die aus einem Umkreis von 50 Kilometern um die HfG Karlsruhe stammen. Diese Materialien sind so konzipiert, dass sie nach Gebrauch vollständig kompostierbar sind und somit einen umweltfreundlichen Lebenszyklus gewährleisten.
Ein sich ständig weiterentwickelndes Archiv nachhaltiger, lokal gewonnener Materialien, die für Kunst- und Gestaltungspraxen entwickelt wurden. Alle in der Bibliothek vorgestellten Materialien stammen aus einem Umkreis von 50 Kilometern um die HfG Karlsruhe und sind so konzipiert, dass sie nach Gebrauch kompostierbar sind.
Lokal
Alle Ressourcen, die innerhalb eines Radius von 50 Kilometern um die HfG Karlsruhe zu finden sind.
Für das Projekt »Living Library« wurde »lokal« als alles innerhalb eines Radius von 50 Kilometern um die HfG Karlsruhe definiert. Diese imaginäre Grenze berücksichtigt die lokale Geologie, Ökologie und Kultur.
Nachhaltig
Ein Material oder Verfahren, das durch Minimierung der Umweltbelastung die langfristige Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts fördert. Nachhaltige Materialien stammen aus natürlichen Ressourcen und nachwachsenden Rohstoffen.
Bezeichnet Materialien und Verfahren, die durch Minimierung der Umweltbelastung das ökologische Gleichgewicht erhalten. Nachhaltige Praktiken bevorzugen nachwachsende, biologisch abbaubare oder recycelbare Ressourcen und zielen auf Langlebigkeit und Abfallreduzierung ab.
Nachleben (Afterlife)
Das Nachleben eines Materials bezieht sich auf die Phasen und Prozesse, die es nach seiner ursprünglichen Verwendung durchläuft. Mit dem Schwerpunkt auf Kompostierung ist es das Ziel, die Erde anzureichern und die negativen Auswirkungen der Entsorgung auf die natürliche Umwelt zu vermeiden.
Das Nachleben eines Materials bezieht sich auf die Phasen und Prozesse, die es nach seiner Verwendung in einer bestimmten Gestaltung durchläuft. Im Zusammenhang mit kompostierbaren Materialien liegt der Schwerpunkt darauf, Materialien in das Ökosystem zurückzuführen und Abfall in Nährstoffe umzuwandeln. Durch die Gestaltung für das Nachleben wird eine schädliche Entsorgung vermieden und die ökologische Regeneration unterstützt.
Nicht so lokal
Die wichtigsten Ressourcen, die außerhalb des 50-Kilometer-Radius um die HfG Karlsruhe zu finden sind.
Materialien und Ressourcen, die außerhalb des 50-Kilometer-Radius um die HfG Karlsruhe beschafft werden. Sie entsprechen zwar weniger den bioregionalen Prinzipien, werden jedoch einbezogen, wenn es keine geeignete lokale Alternative gibt oder wenn sie eine wesentliche Rolle im Herstellungsprozess spielen. Ihre Einbeziehung ist immer bewusst und sorgfältig abgewogen.
Online
Verfügbar im World Wide Web (seit den 1950er Jahren bedeutete »Online« »mit einem System verbunden«), impliziert das Wort heute den sofortigen Zugriff von überall und zu jeder Zeit über einen Browser.
Permacomputing
Dieser Begriff ist eine Kombination aus »Permakultur« und »Computing« und zieht einen Vergleich zwischen der derzeitigen mangelnden Nachhaltigkeit digitaler Technologien und Problemen in der industriellen Landwirtschaft. Er schlägt einen nachhaltigeren, regenerativen Ansatz für das Internet vor, der von den Prinzipien der Permakultur inspiriert ist.
Regenerativ
Materialien, die Ökosysteme wiederherstellen, erneuern oder revitalisieren und die Lebensfähigkeit verbessern, indem sie die Biodiversität erhöhen und die Gesundheit der Erde verbessern.
Bezeichnet Materialien oder Praktiken, die Ökosysteme aktiv wiederherstellen und verbessern, anstatt sie nur zu erhalten oder auszubeuten. Regenerative Ansätze unterstützen die Fähigkeit der Erde, Leben zu erhalten, indem sie die Bodengesundheit verbessern, die Biodiversität erhöhen und zu langfristiger ökologischer Widerstandsfähigkeit und Erneuerung beitragen.
Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG Karlsruhe)
Eine Hochschule für Kunst und Gestaltung in Karlsruhe, bekannt für ihren interdisziplinären Ansatz, der Gestaltung, Kunst, Medien und Theorie miteinander verbindet. Sie ist die Heimat und der Kontext des Living Library-Projekts.
Super-lokal
Alle Ressourcen, die innerhalb und in unmittelbarer Nähe der HfG Karlsruhe zu finden sind.
Bezieht sich auf Materialien, die aus der unmittelbaren Umgebung der HfG Karlsruhe stammen. Diese Materialien müssen oft nicht transportiert werden, werden manchmal von Hand gesammelt und haben die geringsten Auswirkungen auf das Ökosystem. Super-lokale Beschaffung fördert Transparenz, Rückverfolgbarkeit und eine tiefe Verbindung zum Ort.
Alles, was in der unmittelbaren Umgebung der HfG Karlsruhe zu finden ist. Dazu gehören Materialien, die aus dem eigenen Körper gewonnen werden können, alle Ressourcen innerhalb des Universitätsgebäudes und Unternehmen, die sich in derselben Straße befinden.
Verfall
Verfall ist der Prozess der allmählichen Zersetzung und des Abbaus organischer Stoffe, hauptsächlich durch die Einwirkung von Bakterien, Pilzen und anderen Organismen. Dieser Prozess zersetzt totes Material und spielt eine entscheidende Rolle im Nährstoffkreislauf und für die Nachhaltigkeit des Ökosystems.
Verfall hat auch eine positive Konnotation, wenn er sich auf etwas bezieht, das während des Zersetzungsprozesses auf nachhaltige und umweltfreundliche Weise in die Natur und ins Leben zurückkehrt.
Ein natürlicher Prozess, bei dem organische Stoffe im Laufe der Zeit durch Zersetzer wie Bakterien, Pilze und Insekten abgebaut werden. Obwohl Verfall oft mit Verschlechterung oder Verlust assoziiert wird, ist er für die Erhaltung des Lebens unerlässlich: Er recycelt Nährstoffe, bereichert die Erde und unterstützt die Gesundheit von Ökosystemen. Indem er einst lebende Materie an die Erde zurückgibt, ermöglicht der Verfall die fortwährende Regeneration des Lebens.
Ökologisch
Befasst sich mit dem Schutz von Ökosystemen, in denen verschiedene Lebensformen koexistieren.
Bezieht sich auf die natürliche Welt und die miteinander verbundenen Ökosysteme, in denen alle Lebensformen koexistieren. Eine ökologische Perspektive berücksichtigt die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten und betont die gegenseitige Abhängigkeit, die Biodiversität, die Gesundheit des Klimas und den verantwortungsvollen Umgang mit lebenden Systemen für ein langfristiges ökologisches Gleichgewicht.
Ökosystem
Ein dynamisches System lebender Organismen wie Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroben, die in ihrer physischen Umgebung miteinander interagieren. Gesunde Ökosysteme unterstützen die Artenvielfalt, regulieren das Klima und erhalten das Leben.