Wie du eine Region in einer Karte erfassen kannst

Last edit: 8. Jan. 2026

Viele der im Rahmen des Projekts getroffenen Entscheidungen mündeten in kartografischen Erfassungen. Bei der Definition unserer lokalen Bioregion als Kreis ließ sich die Living Library von frühen Karten der Stadt Karlsruhe inspirieren. Der ursprüngliche Plan für die Stadt aus dem Jahr 1718 sah einen perfekten Kreis um das Karlsruher Schloss vor, mit radialen Straßen, die vom Zentrum nach außen verliefen (daher auch der Spitzname ‚Fächerstadt‘).

Es gibt viele Ansätze zur Kartenerstellung, die jeweils tief in kulturellen und wirtschaftlichen Traditionen verwurzelt sind. Um zu zeigen, dass Karten nicht durch einen einzigen Ansatz definiert werden kann, hat das Bildungsprogramm der Living Library zwei unterschiedliche Arten der Kartenerstellung untersucht: Karten, die von oben und Karten, die von unten erfasst werden. Dieser kleine Leitfaden teilt einige dieser Erfahrungen und bietet dir praktische Schritte, um sie selbst anzuwenden.

Map of the region around Karlsruhe from the end of the 16th century. Starting from the river Rhine, the map looks east following the river Alb towards the Black Forest.
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Map of the region around Karlsruhe from the end of the 16th century. Starting from the river Rhine, the map looks east following the river Alb towards the Black Forest.

1. Kartografische Erfassung von oben

Dieser erste Ansatz ist am leichtesten zugänglich, da er von überall aus mit nur einem Computer und einer Internetverbindung durchführen kannst. Kartografische Erfassung von oben bedeutet, öffentlich zugängliche Datenquellen wie Satellitenbilder, Open-Source-Karten (wie OpenStreetMap) oder öffentliche Datenbanken zu Biodiversität (wie GBIF) zu nutzen, um mehr über die Geografie, Landnutzung oder Lebenssysteme einer Region zu erfahren. Diese Daten können genutzt werden, um eine Vielzahl von Karten zu erstellen, die beispielsweise die Wälder einer Region, erfasste Pilzregionen oder Kleingärten in Karlsruhe zu zeigen. Es gibt unzählige Online-Plattformen, auf denen geografische Daten zu natürlichen Materialien verfügbar sind. Viele dieser Tools und die dazugehörige Software sind frei verfügbar und erfordern oft nur die Angabe von Datenquellen.

Praktisches Beispiel für die Erfassung von oben ist Karte Nr. 6, die Bäume in der Region um Karlsruhe zeigt. Im Hintergrund verlaufen mehrere Linien durch die Landschaft. Zwei davon – die Gebirgszüge zu beiden Seiten der Oberrheinischen Tiefebene und der Rhein selbst – wurden auf Satellitenbilder des Copernicus-Erdbeobachtungssatelliten (betrieben von der Europäischen Weltraumorganisation und frei verfügbar) gezeichnet. Eine weitere Linie, die das Stadtgebiet von Karlsruhe umgibt, stammt aus dem Datensatz „Urban Morphological Zones (2006)“, der von der Europäischen Umweltagentur (EEA) kostenlos veröffentlicht wurde. Die wichtigste Ebene der Karte zeigt die Wälder selbst, die aus einem europäischen Datensatz namens „CORINE Land Cover 2018” stammen. Diese Quelle klassifiziert die Landflächen in Europa in 44 Typen, darunter drei Arten von Wäldern: 311 (Laubwald), 312 (Nadelwald) und 313 (Mischwald).

Hinweis: Die Karte wurde mit QGIS erstellt, einem kostenlosen Open-Source-Programm, mit dem geografische Daten überlagert und visualisiert werden können. Es läuft unter Windows, macOS und Linux, und es gibt viele hilfreiche Online-Tutorials für Anfänger:innen.

Screenshot of the open-source QGIS app showing several datasets used to create the map of trees in the local region.
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Screenshot of the open-source QGIS app showing several datasets used to create the map of trees in the local region.

2. Kartografische Erfassung von unten

Der zweite Ansatz konzentriert sich auf die physische Erkundung eines Gebiets: es mit eigenen Augen sehen, mit den Bewohner:innen zu sprechen, aus ihren Erfahrungen lernen und Karten zu erstellen, die einen Ort freier darstellen. Erfassungen von unten erfordert physischen Zugang zur Umgebung. Es empfiehlt sich, jemanden aus der Gegend zu kennen, der die Sprache spricht, da dies die Erfassung von kulturellen Schichten und Orten ermöglicht, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften ermöglicht auch viele verschiedene Interpretationen, Ansichten und Erfahrungen desselben Ortes.

Ein zweites praktisches Beispiel, diesmal für das Erfassen von unten, ist die Karte Nr. 10: „Lokales Wissen”. Sie entstand während einer einmaligen Aktion der Living Library, während der Karlsruher Museumsnacht. Als Gegenleistung für ein kostenloses Glas Wein aus der Region, das an einer provisorischen Weinbar namens „La Carte Locale” serviert wurde (die Gegend um Karlsruhe ist reich an Weinreben), wurden die Besucher:innen gebeten, einige Fragen zu beantworten: „Welche natürlichen Materialien oder Lebewesen sind Ihrer Meinung nach typisch für diese Region?” und „Sind Ihre persönlichen Erinnerungen oder Erfahrungen mit einer bestimmten Jahreszeit oder Tageszeit verbunden?”. Anschließend wurden die Antworten, die auf Postkarten geschrieben wurden, an eine große Wandkarte in der Living Library geheftet.

Das Ergebnis war eine große Sammlung persönlicher Geschichten und Beobachtungen. Ein Besucher schrieb über die Apfelplantagen, zu denen seine Eltern ihn als kleines Kind mitgenommen hatten. Eine andere Besucherin zeichnete Bilder von Trauerweiden, ihren Lieblingsbäumen im nahe gelegenen Wald. Jemand erzählten auch von Kaninchen, die anfingen in Schrebergärten zu leben. Viele Personen hatten etwas zu erzählen und blieben, um die Notizen der anderen zu lesen. Dabei entdeckten sie materielle Erinnerungen, an die sie zuvor nie gedacht hatten. Zusammen bildeten die Geschichten eine lebendige Karte, die zeigte, wie Kartenerstellung die emotionalen und kulturellen Verbindungen zwischen Ökosystemen und seinen Bewohnern offenbaren kann.

Moment from ‘La Carte Locale’, a one-time only pop-up winebar hosted during the annual Karlsruhe Museum Night to collect local knowledge.
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Moment from ‘La Carte Locale’, a one-time only pop-up winebar hosted during the annual Karlsruhe Museum Night to collect local knowledge.
Postcard from the event reading (in German): "As part of my bachelor thesis, I broke down the material flows of the greenhouse of the Botanical Garden in Karlsruhe. The decorative brick façades are made from regional sand and have survived until today."
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Postcard from the event reading (in German): "As part of my bachelor thesis, I broke down the material flows of the greenhouse of the Botanical Garden in Karlsruhe. The decorative brick façades are made from regional sand and have survived until today."
Postcard from the event reading: "In the north of Karlsruhe, a man planted bamboo, and it exploded (surprise). Now you can find a huge bamboo forest there (4–5 m high bamboo), abandoned. Crazy place :)"
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Postcard from the event reading: "In the north of Karlsruhe, a man planted bamboo, and it exploded (surprise). Now you can find a huge bamboo forest there (4–5 m high bamboo), abandoned. Crazy place :)"

21:00 an der HfG Karlsruhe, 49°00'08.5"N 8°23'00.4"E